Verbrauchermessen: Vorsicht Falle!

Im Frühjahr gehen Sie wieder los, die Bau- und Modernisierungsmessen. Folgendes sollten Sie wissen:

 

  • Geschlossene Verträge auf Messen sind sofort gültig.
  • Sie haben kein 14tägiges Widerrufsrecht.
  • Messepreis bedeutet nicht automatisch "Schnäppchen".

 

Gestern fand ich im Briefkasten eine Freikarte zur Baumesse im A2-Forum in Rheda-Wiedenbrück Mitte Februar. Ein schönes Ereignis zum Informieren, Kontakte zu knüpfen oder einfach mit der Familie einen interessanten Tag zu verbringen. Oder aber auch, um sich vielleicht ins Unglück zu stürzen?

 

Verkaufspsychologisch top geschulte Verkäufer

Mir fiel sofort die Geschichte einer Familie aus Hannover ein, die ich bei ihrer Hausfinanzierung begleitet habe. Sie wollten ein älteres Häuschen kaufen und modernisieren. Da kam die INFA (Verbrauchermesse in Hannover) ganz Recht. Am großzügigen Stand einer auf Messegeschäft spezialisierten Heizungsfirma wurde das Ehepaar sehr nett in Empfang genommen. Ein sehr eloquenter Berater fragte kurz nach dem Anliegen und präsentierte bei Kaffee und Gebäck ausführlich und anschaulich die perfekte, energieeffiziente und ökologisch nachhaltige Lösung.

Ein optimales Wärmepumpensystem inklusive Lüftungsanlage sollte Energieeinsparungen bis zu 80% erbringen, so dass sich die Anlage nach 10 Jahren quasi von selber finanziert. Außerdem könnten sie durch Eigenleistungen richtig viel Geld sparen. Das Unternehmen hätte Bausätze entwickelt, die jedes Kind zusammenstecken könnte - quasi "Lego für Erwachsene". Und sollte doch mal etwas nicht funktionieren, gäbe es Deutschlandweit ein zertifiziertes Handwerkernetzwerk, das mit Rat und Tat zur Seite stände. Über 5.000 Euro würden sie damit sparen können - leicht verdientes Geld für ein wenig Zeiteinsatz.

 

Eine perfekte Inszenierung - werden Sie "Referenzkunde"

Nach über einer Stunde, in denen viele glückliche Bauherren gezeigt, Hochglanzprospekte verteilt und die Vorteile hervorgehoben wurden, ging es in die finale Phase: der Berater erstellte ein Angebot:

Für rund 38 T€ könnte sich das Ehepaar ihren Traum von der einzigartigen, zukunftsorientierten Top-Heizungsanlage erfüllen. Und - jetzt kommt der absolute Top-Bonus: Nur heute ist der Gebietsverkaufsleiter anwesend. Er hat ein limitiertes Kontingent an Referenzobjekten zu vergeben. Das bedeutet: Wenn Sie, liebes Ehepaar bereit sind, höchstens ein Mal im Monat Ihr Haus anderen Interessierten zu zeigen, würden sie im Gegenzug einen Rabatt von 15% auf die Gesamtsumme erhalten. Das bedeutet Sie sparen allein durch Ihre Eigenleistung von 5.000 Euro noch einmal 5.700 Euro, sind zuammen 10.700 Euro. Da die Plätze allerdings im Windhundverfahren vergeben werden, müßten sie sich schnell entscheiden.

 

Es zählt nur, was im Vertrag steht.

Natürlich beteuerte der Verkäufer, dass sie die Heizungsanlage jederzeit anders konfigurieren könnten, sie sich ja erst einmal nur eine Option sichern würden. Hin- und hergerissen diskutierte das Ehepaar, und entschloss sich schließlich zur Unterschirft. Es gibt ja immerhin ein 14-tägiges Widerrufsrecht - aber diese Chance wollten sie sich nicht engehen lassen.

 

Also Vertrag gemacht, beide unterschrieben und mit einem Gläschen Sekt auf die hervorragende Entscheidung angestoßen.

 

Auch sofortige Reue hilft nicht.

Bereits am Abend kam die Ernüchterung. Bei der Recherche im Internet fand das Ehepaar zahlreiche Berichte unzufriedener Kunden, denen es ähnlich ergangen ist. Überzogene Preise, fragwürdige Qualität, komplizertes Selbstbausystem und dadurch teure Handwerkerzusatzleistungen. Und seltsamerweise hatten alle anderen Kunden auch ein Referenzobjekt.

 

Also war der Widerruf schnell geschrieben, per Fax versandt und damit für das Ehepaar der Fall abgeschlossen. Die richtig böse Überraschung kam dann in Form eines Schreibens - direkt von der Rechtsabteilung der Firma. Der Hausjurist klärte darüber auf, dass es kein Widerrufsrecht gäbe und sie entweder die Heizungsanlage für 32.700 Euro abnehmen müßten oder aber einen Schadenersatz von 25% der Summe an das Unternehmen zu zahlen hätten. So ist es in den AGBs geregelt, die schließlich beide unterschrieben hätten.

 

Schadenersatz, Anwalts- und Gerichtskosten mussten gezahlt werden.

Um es kurz zu machen: Aus diesem Vertrag gab es keinen Ausweg.  Nach einem langwierigen und teuren Prozess einigten sich die Parteien auf 15% Schadenersatz. Gerichts- und Anwaltskosten von einigen Tausend Euros sowie eine extreme Nervenbelastung waren die Bilanz eines Messebesuches.

 

Hier noch ein wichtiger Hinweis: Verträge rund um das Thema (Haus-)bau sind in der Regel in der Rechtschutzversicherung ausgeschlossen. Sie zahlen also alles aus eigener Tasche.

 

Fazit:

  • Schließen Sie niemals auf einer Messe oder in den Geschäftsräumen einer Firma sofort einen Vertrag ab. Auch in den Geschäftsräumen einer Firma gilt die Widerrufsfrist nicht! Ein seriöses Unternehmen wird Ihnen immer die Möglichkeit geben, über das Angebot noch einmal nachzudenken. Alternativ lassen Sie sich ein Widerrufsrecht schriftlich geben.
  • Der Vertrag ist bindend. Lassen Sie sich alle mündlichen Zusagen schriftlich geben. Und achten Sie darauf, dass diese Zusagen auch auf allen Durchlägen des Vertrages sichtbar sind.
  • Lesen Sie sich die AGBs durch. Auch wenn es anstrengend ist. Achten Sie besonders auf mögliche Schadenersatzforderungen.
  • Recherchieren Sie im Internet - natürlich gibt es immer positive und negative Stimmen. Aber wenn auf den ersten Seiten bei Google & Co. häufig das Wort "Betrug" fällt und reale Menschen hinter den Berichten stehen, sollten Sie genauer nachfragen.
  • Ein wirklich seriöses Angebot - gerade im Baubereich - kann nur nach einer Besichtigung vor Ort bzw. Einsicht in konkrete Baupläne erstellt werden. Alles andere ist oberflächlicher Mumpitz.
  • Entscheidend ist nicht nur der Kaufpreis. Achten Sie auch auf die sogenannten weichen Faktoren, zum Beispiel:
    • BauarbeiterWie lange ist das Unternehmen schon am Markt?
    • Werden Subunternehmer beschäftigt?
    • Gibt es "echte" Referenzkunden? Wie zufrieden sind die?
    • Wie sind die Ansprechpartner erreichbar?
    • Wie kulant ist die Firma?
    • Wie sieht die langfristige Betreuung / Service aus?
    • Werden Sie zum Abschluß gedrängt oder nimmt man sich wirklich Zeit für Sie und Ihr Anliegen?
    • Wie schnell reagiert die Firma bei Problemen?

 

Aus meiner Erfahrung hat sich die Zusammenarbeit mit guten Handwerksbetrieben vor Ort bzw. aus der Region bewährt. Auch die präsentieren sich oft auf Messen. Dort können Sie prüfen, ob die Chemie stimmt und in Ruhe einen Termin vor Ort vereinbaren. Dann bleibt der Messebesuch ein schönes Erlebnis für die ganze Familie.

 

 

 

 

Über mich

Daniela Springer Training & BeratungSeit über 20 Jahren berate und trainiere ich Menschen zu den Themen Baufinanzierung, staatliche Förderungen, Liquiditätsoptimierung, Existenzgründung und Existenzfestigung.

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Daniela Springer

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